neues vergangenes abschreckendes hinterlassenes
Ich möchte ein Kapitel aus einem Buch zitieren, dass ich gerade lese. Es heißt "Komm, ich erzähle dir eine Geschichte" und ist von Jorge Bucay. Es geht um Gestalttherapie und ist wunderbar geschrieben und somit auch gut zu lesen. Eins der wenigen Bücher, dass mich zum Weinen bringt. Damit schon das zweite, innerhalb von zwei Tagen. Aber es hilft.

"Besitzansprüche" lautet der Titel des Kapitels.

"Keine Ahnung, wie ich dort hingeraten war, aber zu einem gewissen Zeitpunkt in meinem Leben erkannte ich, daß ich mich auf einem beängstigenden Holzweg befand.
Alles begann mit einem Eifersuchtsanfall wegen meiner Freundin. Für ein Treffen mit ihren Studienkolleginnen hatte sie unsere Verabredung verschoben. Seitdem bekam ich die Verlustängste nicht mehr aus dem Kopf und litt wie ein Hund.
In der Therapie hatte ich darüber geredet, daß man Verluste als solche durchleben muß, aber damals fühlte ich mich einfach nur elend.

>>Ich sehe nicht ein, warum ich meine Partnerin mit ihren Freundinnen teilen soll, oder meine Freunde mit ihren Partnerinnen. Ich sage das jetzt extra so, damit ich merke, was das für ein Blödsinn ist. Hilf mir mal auf die Sprünge. Wenn etwas mir gehört, und mag es für dich auch noch so rückständig klingen, dann habe ich doch das Recht, zu erlauben und zu verbieten, was damit geschieht, und zwar jederzeit. Es gehört ja mir.<<
Jorge stellte die Teekanne ab und erzählte:
Zerstreut schlenderte er durch die Straßen, da sah er ihn vor sich: einen riesigen wunderschönen Berg aus Gold.
Das Sonnenlicht fiel direkt drauf und ließ seine Oberfläche in allen Regenbogenfarben schillern, so daß er wirkte wie ein intergalaktisches Objekt aus einem Film von Steven Spielberg.
Leicht hypnotisiert blickte er ihn eine ganze Weile an.
>Ob er jemandem gehört?< dachte er.
Er sah sich in alle Richtungen um, doch es war niemand in der Nähe.
Schließlich trat er an den Berg heran und berührte ihn. Er war warm.
Er strich mit den Fingerkuppen über seine Oberfläche und spürte, daß die perfekte Glattheit eine taktile Entsprechung für seine Helligkeit und seine Schönheit waren.
>Ich will ihn ganz für mich<, dachte er.
Vorsichtig hob er ihn an und trug ihn auf den Armen zur Stadt hinaus. Völlig berauscht kam er bald in den Wald und steuerte auf eine Lichtung zu.
Dort angekommen, stellte er ihn sorgsam ins Grad und setzte sich davor, um ihn in der Nachmittagssonne zu bewundern.
>Es ist das erste Mal, daß ich etwas so Kostbares ganz für mich habe. Etwas, das nur mir gehört. Mir ganz allein< - dachten sie beide zugleich.

>>Wenn wir etwas besitzen, an dem wir so sklavisch hängen: Wer besitzt dann wen, Demian? Wer besitzt wen?<<"

Ich habe das Gefühl, dass das zu uns beiden passt.

Ich habe eine Antwort gefunden. Darauf, wie ich fragen muss. Die Frage ist nicht, ob ich ohne dich kann. Denn das ist die sinnlose Frage, für die man weder eine Pause braucht, noch die eine Pause beantworten kann. Denn ja, ich kann ohne dich leben. Diese Frage hat gar nichts mit dir zu tun, denn es betrifft nur mich.
Die Frage ist also, ob ich ohne dich WILL. Und diese Frage ist eigentlich beantwortet. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass du auf einmal nicht mehr da sein sollst.
Somit ist die Frage, was passieren muss, damit ich es nicht nur will, sondern damit ich es auch kann. Damit ich genug Kraft dafür habe und nicht mich wieder verliere.
Mir tut mein alleinsein gut. Auch wenn ich es immer noch nicht gerne aushalte. Ich wünsche mir, das jemand in der Nähe herumwuselt und mich nicht beachtet. Kindlich gesprochen: "Urvertrauen, weil das Kind weiß, dass jemand da ist, auch wenn es ganz für sich spielt und nicht beachtet wird." Ich weiß das, ich spreche es aus und manchmal ist einfach jemand da. Doch ich komme auch mit mir allein aus. Das ist neu und das ist gut.

Ich merke, dass ich noch viel zu sehr hinter meinen Wünschen Schutz suche und sie nicht versuche, damit ich nicht scheitere. Aber es liegt an mir! Einzig an mir, dafür einzustehen, mich darum zu bemühen. Ich bin im Moment weder labil noch versunken in Selbstmitleid oder ähnlichem. Ich spüre Aufbruchstimmung, Neuanfang und ich merke auch, dass ich öfter Nein-Sagen muss. Ich kann nicht immer alles hinnehmen, wenn ich mich verwirklichen will. Ich bin anders als die anderen, aber nicht schlechter. Ich unterscheide mich, weil ich anders wahrnehme, andere Prioritäten setze. Doch es liegt an mir, ob ich mir im Weg stehe, oder ob ich mit mr den Weg gehe.

Ich gehe lieber!
14.2.11 23:00


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