neues vergangenes abschreckendes hinterlassenes
Ich habe mir für heute vorgenommen zu schreiben und ich mache es auch. Vielleicht wird es plalos, vielleicht verwirrt, aber das gehört zu mir.

Ich möchte versuchen, die letzte Woche zu rekapitulieren, aufzuschreiben, was in mir vorgeht. Ich ertränke nicht meine Frust, meine Trauer, meine Probleme in Alkohol, auch wenn das vielleicht von außen so aussieht.

Am Montag habe ich dir gesagt, dass ich Zeit brauche. Zeit, mit mir wieder ins Reine zu kommen und für mich neue Kraft zu finden. Ich bin die letzen Monate nicht ich selbst, ich tue Dinge, zu denen ich nicht stehen kann, verletze Menschen damit. Das muss aufhören.

Ich dachte, dass sich alles von selbst auflöst, alles gut wird, wenn ich einfach abwarte. Wenn ich das einfach durchstehe, dann wird alles gut. Das letzte Wochenende hat mir gezeigt, dass das nicht funktioniert. Ich habe deshalb viele Menschen verletzt, zum Lügen gebracht, zum Schweigen gebracht und das war falsch. Ich habe es getan, damit es zwischen uns funktioniert. Doch das kann nicht der Weg sein.
Im Prinzip habe ich nichts getan, was dich verletzen könnte. Ich bin einfach nur nicht dem nachgekommen, was ich dir versprochen hatte. Und ich wusste vorher, dass ich das nicht tun könnte.

Ich weiß nicht, ob ich verständliche Worte dafür finde. Ich weiß nicht mal, ob man das überhauüt verstehen kann. Ich kann es nicht.

Die letzten Wochen waren für mich schlimmer, als es nach außen den Anschein gemacht hat. Ich habe unter Verfolgungswahn gelitten, stärker, als jemals zuvor. Ich fühlte mich nirgends sicher, nicht mal zu Hause. Ich habe ständig damit gerechnet, dass eine neue Bombe explodiert, unsinnigerweise, denn da gab es nichts, was eine Bombe rechtfertigen würde. Und so habe ich nächtelang nicht geschlafen, habe schlecht geträumt, wenn ich doch schlief, habe mich umgesehen, niemanden gefunden und umso genauer geschaut. Es macht mich kaputt.

Als du weg warst, wurde es besser. Ich hatte weniger Angst, weniger Druck, aber immer noch keine Ruhe, keinen Schlaf. So geht es nicht.

Am Samstag habe ich dir das erste Mal davon erzählt, da warst du grad knapp zwei Wochen weg. Erst war es besser, aber deine Überprüfungen zu meinem Geburtstag haben mir gezeigt, dass es nicht weg ist, sondern nur etwas distanzierter. Ich habe dir gesagt, wie es in mir aussieht, darauf hin musste ich weg. Schon die Tage vorher wusste ich es, ich muss raus, aber erst dann bin ich auch wirklich gegangen. Auto mieten und ab ans Meer. Mich finden, herausfinden, was ich will. Abstand gewinnen und klar kommen. Spontan doch zu A. auf den Geburtstag, nachdem ich in Schillig stand, da wo wir im Sommer saßen. Ich war leer, als ich da stand, einfach leer. Ebbe, nicht nur beim Meer, auch bei mir. Dann ein weiterer verzweifelter Abend, voller Kummer, Sorgen und Ausweglosigkeit. Am nächsten Tag nach Hamburg, an die Landungsbrücken. Ich fuhr stundenlang mit Tränen in den Augen, kurz davor zu Heulen und doch nicht im Stande dazu. Aber es wurde mir eins immer klarer, so wie bisher, geht es nicht weiter. Meeresluft, Hamburg, Landungsbrücken, meine Heimat, meine Seele spüren und irgendwie war alles leer, Ebbe...

Am Montag dann das, was kommen musste. Ich muss die Ebbe überstehen, muss mir wieder Zeit geben, zu mir zu finden. Es ist und war nicht alles schlecht, nicht mal zu der Zeit, als es mir damit schlecht ging. Selbst der letzte Abend in Berlin war wunderschön, obwohl in mir schon so viel Verfolgungswahn war. Aber eben auch die Aussicht darauf, dass ich wieder mehr Ruhe finden würde.
Es war wie eine Bombe, von der ich nicht wusste, ob sie real oder nur in meinem Kopf ist. Wir beide haben sie real gemacht. Du hast das ausgesprochen, was ich nicht aussprechen konnte. Und nun ist es fast eine Woche her und ich könnte es immer noch nicht aussprechen. Ich brauche Zeit, aber es fällt mir so schwer, sie einzufordern.

Am Mittwoch war ich spontan auf einem Konzert. Ich hatte mir eine alkoholfreie Woche vorgenommen, weil ich nicht mit Alkohol, sondern mit mir, zu mir finden wollte. Es war ein wunderbarer Abend, trotz Alkohol, trotz der Stille in mir und wegen dem Ausbrechen, aus dem, was ich nicht bin. Solche Abende gehören zu mir, ich brauche sie.
Am Freitag habe ich mittags schon mit Freunden getrunken, bis spät nachts. Es war schön, langweilig, aufregend und traurig. Alle Seiten an mir kamen zum Tragen. Meiner Mutter geht es nicht gut, Verdacht auf Hautkrebs und was weiß ich noch. Das das im Moment dazu kommt, ist schlecht, macht mich traurig, macht mich fertig, aber es hindert mich nicht daran, zu mir zu finden.
Ich habe diese Woche auch genutzt, um in mich zu schauen, zu suchen, was ich vermisse, zu finden, was mir fehlt und auch, um zu sehen, was ich nicht verlieren will und kann. Ich ertränke mich nicht, weder das Gute noch das Schlechte. Ich verbringe Zeit mit Freunden, wichtige Zeit. Ich rede mit Freunden und habe gute Gespräche, die mich weiterbringen. Ich bin nicht hilflos, ich bin nicht planlos, aber ich weiß nicht, wohin mich das alles bringen wird.

Ich bin kraftlos. Ich habe keine Kraft mehr zu kämpfen, ich habe keine Kraft mehr, gegen Windmühlen zu reden und auch nicht mehr, etwas zu sein, dass ich nicht bin.
Ich renne nicht von Frau zu Frau, ich brauche keine andere, ich brauche keine Flucht. Was ich wirklich brauche, bin ich. Ich fühle mich kaum, fälle Entscheidungen, so wie es gerade kommt, ohne Weitblick, ohne Übersicht. Viele habe ich garnicht gefällt. Ich habe die Zeit verstreichen lassen, bis es zu spät war oder andere entschieden haben. Ich habe keine Kraft mehr, Entscheidungen für andere zu fällen. Mir fehlt die Leichtigkeit.

Du sagst, du schaust mir gerne beim Fliegen zu. Als du das im Januar gesagt hast, habe ich gedacht: Warum stutzt du dann meine Flügel? Ich habe es mit Wut gedacht, mit Traurigkeit, mit Sehnsucht. Ich habe es nicht ausgesprochen. Vor ein paar Tagen hast du geschrieben, dass du meine Flügel nicht mehr stutzen magst, dass du mich fliegen lassen willst, damit du mir zusehen kannst. Ich habe es nicht ausgesprochen, aber du hast es gewusst und du hast es gemerkt. Trotzdem muss ich das sagen, was in mir ist. Ich darf es nicht verleugnen, ich muss zu mir stehen, so wie ich bin. Vielleicht krank, vielleicht kaputt, vielleicht manchmal hilflos, aber ich kann es nicht in mich hinein fressen, es verschweigen und hoffen, dass es von Selbst besser wird.

Ich fand in mir keine Antwort mehr auf die Frage, warum wir zusammen sind. Ich fand keine Antwort mehr, warum ich mich diesem Druck aussetze und versuche, ihn zu ertragen, ohne etwas dagegen zu machen. Vielleicht, weil ich kraftlos bin.

Was ich nicht fand, war eine klare Aussage, dass ich ohne dich kann und auch nicht, dass ich ohne dich will. Ich kann nicht ehrlich sagen, dass ich dich nicht mehr liebe und auch nicht, dass ich mir ein Leben ohne dich vorstellen kann oder will. Ich kann mich einfach nicht länger unter Druck setzen lassen, ich kann mir nicht länger dabei zusehen, wie ich kaputt gehe.

Ich erwarte nicht, dass du mich verstehst. Ich erwarte nicht, dass du mir das gibst, was ich brauche. Du bist auch nur ein Mensch und ich weiß, wie du an mir hängst. Und ich weiß auch, wie ich an dir hänge.
Ich bin kein Freund von Beziehungspausen. Normalerweise sage ich, wenn man sowas braucht, dann kann man es auch gleich bleiben lassen. Das war lange meine Sicht, aber jetzt trifft sie nicht zu. Ich weiß nicht, ob wir einen Weg gemeinsam finden. Ich kann nicht sagen, ob wir es schaffen uns zusammen zu raufen. Ich weiß aber, dass es Kraft kosten wird. Kraft, die ich nicht habe.
Ich habe heute dein Geburtstagsgeschenk genommen und das Buch durchgelesen. Es tat gut, denn es spiegelt mir viel von dem, was ich tue. Es ist der "Bedeutungsblick", den ich in mir habe, ständig und immerzu. Ich denke zu viel, ich interpretiere zu viel. Ich habe die Kraft verloren, die Dinge so zu nehmen, wie sie sind. Und auch, die Dinge nicht hinzunehmen, die nicht so sind, obwohl sie uns so erscheinen.

Ich ertrage es nicht, wenn du mir selbst jetzt noch versuchst rein zu reden, mich zu bewegen etwas zu tun. Bewegungslosigkeit ist nicht gleich Starre. Du sagst ich bin kühl und distanziert. Du deutest das als Starre, als Abwarten. Das ist es nicht. Es ist das, wofür ich Kraft habe, nämlich nichts. Ich horche in mich hinein, aber so lange alles aufgewühlt und in Bewegung ist, so lange höre ich mich nicht. Ich brauche Ruhe, keine Starre. Und ich brauche auch, dass ich ausprobiere, was ich bin und was nicht.

Ich gebe dir Sicherheit, denn ich will keine andere. Ich mache keinen Scheiß, ich lasse mich nicht sinnlos zulaufen, ich mache nicht ständig Party und lenke mich von mir ab. Ich versuche bei mir zu sein, in mir, meinen Weg zu finden.

Es verletzt dich, wenn wir nicht reden, es verletzt dich, wenn wir reden. Ich bin gerade nicht so, wie du mich kennst, nicht so, wie du mich brauchst und auch nicht so, wie du mich wünscht. Das tut mir Leid und das ist nicht das, was ich für dich sein will. Im Moment muss ich finden, wie ICH für MICH sein will.
Ich nutze meine Zeit und ich horche in mich hinein. Ich lasse dich nicht länger in der Schwebe, als irgend nötig. Aber es bringt uns beiden nichts, wenn ich dir verspreche etwas zu sein, ohne zu wissen, ob ich es bin.
Du darfst dich immer melden, aber du darfst keine Ansprüche stellen. Ich kann nicht der sein, den du dir wünscht. Nicht jetzt. Und es macht mir Druck, wenn ich merke, dass ich es nicht kann, auch wenn ich es will. Wenn ich es einfach wäre, so wäre ich immer noch nicht ich. Ich wäre bloß der, den du haben willst. Und wir wissen beide, dass das so nicht funktioniert. Kühl und distanziert, das magst du nicht. Ich kann nicht anders, ich habe keine Kraft anders zu sein und nicht nur du merkst das. Ich habe keine Lust mehr zu reden, habe keine Lust mehr mich zu rechtfertigen, mir fehlt dir Kraft dazu.

Ich brauche Zeit. Zeit, mich wieder zu finden, mit mir klar zu kommen und Kraft zu finden. Ich brauche das mehr als alles andere und ich bin bereit, die Konsequenzen dafür zu tragen. Wenn du merkst, dass du mich nicht mehr brauchst, mich nicht mehr willst, dann muss ich das akzeptieren. Ich brauche mich, ich kann nicht ohne mich. Ich will nicht ohne dich.

Das alles ist ein Widerspruch in mir und es tut mir Leid, dass ich dich nötige, ihn auszuhalten. Ich brauche Zeit.
14.2.11 01:54


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