neues vergangenes abschreckendes hinterlassenes
Copyrights liegen übrigens bei allen Sachen, die ich geschrieben habe, bei mir! Könnt gerne Sachen kopieren, aber vorher Bescheid sagen, Antwort abwarten und sagen, wofür es verwendet wird!!!


Die Kiste


Der Himmel färbt sich schwarz. Die Kerzen erlischen.
Das Haus am Ufer im Regen, zerschlissen.
Wer dort wohnt weiß niemand. Will niemand erfahren.
Warum derjenige dort wohnt? Seine Freiheit ist zerschlagen.
Tag ein Tag aus sitzt er auf dem Steg. Allein.
Was er schreibt liest niemand. Gemein.
Denn das, was er schreibt, ist von großer Bedeutung.
Doch niemand interessiert sich für seine Deutung.

Auch heute im Regen sitzt er da. Schreibt.
Sollte ich ihn fragen, warum er bleibt?
Ich habe Angst, traue mich nicht.
Könnte ich gucken? Ihm genau ins Gesicht?
Der Regen wird stärker, Tropfen auf dem Wasser.
Er beobachtet sie, weiß was sie bewirken.
Ich zweifle, guck mich an, wie werde ich wirken?
Er dreht sich um und guckt mich an.
Vorbei die Gedanken, da der Zwang.

Er kommt auf mich zu, die Arme offen.
Will mich in Empfang nehmen. Ein Grund zu hoffen?
Er fragt wie´s mir geht und woher ich komme.
Von drüben aus der Stadt sage ich. Benommen.
Er greift mich am Arm zieht mich zu sich hinein.
Fragt mich Sachen, ich weiß nicht was soll das sein?
Er sagt, dass er die Welt versteht.
Er sagt, dass deswegen niemand zu ihm geht.

Ich schaue mich um, leer ist das Haus.
Nur ein Tisch und ein Bett, im Käfig eine Maus.
Keine Stühle hat er und kein Geschirr.
Kein Krimskrams, erst recht kein Gewirr.
Er erklärt mir, dass er nichts weiter braucht.
Ich verstehe nicht. Ob er sein Leben aushaucht?
Er zeigt mir den Weg ins Obergeschoss.
Das Haus ist groß, fast wie ein Schloss.

Vor einem Fenster liegen Zettel und Stift.
Daneben etwas Rattengift.
Hier sitzt er oft und schreibt, sagt er mir.
Er fragt, hast du auch einen Platz wie hier?
Ja sage ich. Am anderen Ufer.
Schaue hier her und sehn mich zum Himmel.
Schreibe mein Gedicht und entflieh dem Getümmel.
Er schaut mich an, weiß was ich denk.
Er steht auf, holt eine Kiste, ein Geschenk.

Von seiner Frau. Wie er mir Erzählt.
Sie ist lange tot, man sieht wie´s ihn quält.
Nie hat er´s geöffnet, nie nur dran gedacht.
Erinnerung an ihre gemeinsame Nacht.
Er zeigt mir Bilder, von ihr, seiner Frau.
Es macht ihn traurig, man sieht es genau.
Er gibt nicht auf. Hofft das sie ihn sieht.
Und das er irgendwann zu ihr hin entflieht.

Das Dach knarrt, der Regen nimmt zu.
Die Balken brechen, ein Fluss entsteht im Nu.
Grad eben stand er noch neben mir.
Jetzt kämpft er ums Leben, das Wasser voll Gier.
Ich kann ihn nicht sehen, nicht hören.
Der Regen hört auf, wollte er ihn zerstören?
Ich gehe hinaus, die Wolken zerbrechen.
Die Sonne kommt raus, Lichtstrahel die stechen.

Vor mir liegt die Kiste, ein paar Zettel Papier.
Ich bücke mich und nehme sie mir.
Auf dem ersten Zettel steht, ich lese es vor:
Steh auf, an jedem Ende kommt ein Tor.
Auf dem zweiten Zettel steht:
Durch´s Tor hindurch, ein Anfang besteht.
Auf dem dritten Zettel steht in großer Schrift.
Nach jedem Dunkel kommt das Licht.
Der vierte Zettel ist leer. Ich dreh ihn um.
Da steht, Öffne die Kiste, sei nicht zu dumm.


Die Zettel, die Kiste, ich nehme sie mit.
Sollte ich sie finden? Sie ist verschlossen, mit festem Kit.
Ich gehe zum Steg und setzte mich hin.
Öffne die Kiste lese ich nochmal.
Wäre das falsch, wäre das richtig?
Ich weiß es nicht. Wenn ich's tue ist´s nichtig.
Ich schüttle sie, höre kein Laut.
Ich horche genau, war sie seine Braut?
Ich zweifle und denke zurück.
Als er mich ansprach, war das nicht mein Glück.

Am Abend bin ich wieder allein.
Freie Gedanken, was wird in ihr sein?
Die Erwartung, die Hoffnung, der Glaube,
auf der Unterseite löst sich eine Schraube.
Die Kiste springt auf, wird auf einmal schwer.
Ich kann´s nicht glauben. Die Kiste ist leer.
Am Boden sehe ich ein wenig zu lesen.
Wer hat das geschrieben, wer ist es gewesen?
Alte Schrift, nicht zu entziffern.
Außerdem versteckt hinter unsichtbaren Gittern.

Ich renne ins freie, halt die Kiste ins Licht.
Leute um mich, ich interessiere sie nicht.
Ich ruf es hinaus, kanns nun endlich lesen.
Die Zeit geht vorbei, ist niemals gewesen.
Der Weg den wir gehe ist nicht zu erkennen,
und doch gehen wir ihn. Nein wir rennen.
Wer das hier liest, der sei gewarnt,
vorbei ist der Tag an dem er war getarnt.
Die Zeit ist dein Gegner und du ihr Bezwinger,
helfe dem nächsten, sei des Nachricht´s Überbringer.

Was soll das Bedeuten, frage ich mich.
Der alte Mann, wusste er es für sich?
Wusste er, ohne zu lesen worum es geht?
Dachte er, er weiß was da Steht?
Was soll'n die Gedanken ich seh es jetzt klar.
Der Text der da steht, ist wirklich wahr.
Er hat einen Sinn und ist gescheit.
Dein einziger Gegner ist wirklich die Zeit.



Kein gewöhnlicher Tag

Du stehst auf. Wie jeden morgen gehst du ins Bad, duscht, ziehst dich an und gehst in die Küche. Wie immer machst du dir Kaffee, etwas zu essen und guckst die Nachrichten auf ARD. Der Kaffee ist kochend heiß und du nippst nur vorsichtig, aber dass ist ja auch normal. Nach den Nachrichten packst du deine Schulsachen, machst dir ein Pausenbrot, packst es ein. Du gehst die Treppe runter, ziehst Schuhe und Jacke an. Wie an jedem anderen Tag gehst du aus dem Haus. Hinter der Gartentür machst du dir eine Zigarette an, die erste, wie jeden Morgen. Du gehst zum Bus, sagst ein zwei Freunden Hallo und setzt dich auf diese kleinen grünen Sitze. Du ziehst an deiner Zigarette und hast das Gefühl, es wäre ein normaler Tag, einer, wie jeder andere. Der Bus kommt, du steigst ein, gehst nach hinten durch und setzt dich zu einem Freund. Wie jeden Morgen freut ihr euch, wieder beide im Bus zu sein und unterhaltet euch über den heutigen Tag. Ihr seid euch einig, er ist stink normal. Am Carré steigt ihr aus, stellt auch zu einer Freundin, unterhaltet euch weiter. Du gehst mit der Freundin zum nächsten Bus, ihr steigt ein. Setzt euch hin und redet über die Schule. Alles ist genau so, wie am Tag zuvor, und wie an dem Tag davor. Ihr fahrt zum Bahnhof, steigt aus, verabredet euch später und geht getrennte Wege. Du gehst zu anderen Freunden. Wartest mit ihnen gemeinsam auf einen Bus, in dem weitere Freunde kommen. Ihr unterhaltet euch, wie immer. Der Bus kommt, du siehst Jonas. Ihr begrüßt euch und geht los in Richtung Schule. Nebeneinander geht ihr her, unterhaltet auch über eure kaputten Familien. Tauscht die neusten Erlebnisse mit den Stiefvätern aus. Am Bahnsteig 8 macht ihr halt. Wartet auf den Zug, jeden morgen das selbe. Die Zeit verrinnt, bist du nicht eben erst aufgestanden? Schnell, der Zug kommt, wieder andere Freunde zum begrüßen. Zusammen geht ihr los in Richtung Schule. Alles wie immer. In der Schule gehst du zu deiner Klasse, sagst allen Hallo, einige hast du vorher schon gesehen, am Bahnhof oder auf dem Weg. Es klingelt, ihr geht in die Klasse, wie jeden morgen begrüßt euch die Lehrerin mit dem Satz Guten Morgen liebe Schülerinnen und Schüler. Brav antwortet ihr Guten Morgen Frau Buck. Die Anwesenheit von jedem wird überprüft und ihr geht zum nächsten Schritt des normalen Tagesablaufs. Hausaufgaben. Wie immer haben einige die Hausaufgaben gemacht, andere, so wie du, nicht. Die Stunde vergeht, Pause, nächste Stunde, Pause, immer das gleiche. Wie jeden Tag. Gleich ist es 1. Noch 7 Minuten bis zum Ende der Stunde. Geschafft, ein normaler Tag ist vorbei. Noch wenige Sekunden. Die Tür springt auf. Ungewohnt. Alle drehen sich zur Tür. Dort steht ein Junge. Etwa so alt wie du. Mit einer Pistole in jeder Hand. Er zielt auf einige von euch. Alles ist still. Seid ruhig, dann passiert nichts. Er schließt die Tür und redet weiter. Stellt euch alle in die Ecke, seid still. Keiner sagt etwas, die Situation ist unnormal. Du hast Angst. Es war doch so ein normaler Tag. Jetzt musst du abwarten. Es klopft, die Tür geht auf. Ein Freund von dir guckt herein, fragt wo du bleibst. Der Junge schaut ihn an, zielt auf ihn und sagt Verschwinde. Dein Freund dreht sich um und schließt die Tür. Von draußen hört ihr wildes Geschrei. Es wird immer lauter. Innerhalb weniger Minuten scheint die halbe Schule versammelt zu sein. Auch die Polizei ist da, ruft auf dein Handy an, der Junge bedeutet dir, du sollst ans Telefon gehen. Du sagst zaghaft Hallo. Eine raue Männerstimme antwortet Hier spricht die Polizei, wir wollen den Jungen mit Pistole sprechen. Leise sagst du dem Jungen, dass es für ihn ist. Er will nicht mit ihnen reden, bedeutet dir mit der Hand aufzulegen. Du tust es. Er schaut dich an, sagt dir, du sollst vortreten.
Was soll ich jetzt tun fragt er, was soll ich tun? Soll ich euch alle erschießen? Soll ich einen nach dem anderen erschießen und mit dir aufhören?
Nein sagst du entschlossen. Nein, lass sie alle gehen. Ich bleibe hier und du kannst mit mir machen was du willst, aber lass sie gehen.
Wieso sollte ich das tun? Was bringt mir das?
Was nützen dir 22 Geiseln, wenn du nur acht Kugeln hast? Garnichts. So viele kannst du nicht bewachen. Aber eine zu bewachen wäre einfach, sagst du mit zitteriger Stimme.

Er schaut dich lange und starr an. Er zeigt mit seiner Waffe auf die Tür und sagt, Geh zur Tür. Sag denen da draußen, dass alle außer dir rauskommen werden. Du gehst langsam durch den Raum. Was hast du bloß gesagt? Alle können gehen, nur du musst hier bleiben. Dabei war so ein normaler Tag heute. Du öffnest die Tür, schaust hinaus. Siehst Polizei, Lehrer, Schüler, auf dich gerichtete Waffen. Laut und mit fester Stimme sagst du Hört mir zu! Auf einmal ist es still. Alle gucken dich an, selbst das letzte Gemurmel verstummt. Der Junge wird alle freilassen, sagst du weiter, alle bis auf mich. Ich bleibe bei ihm und diene ihm als Geisel. Erstaunte und fragende Blicke treffen, durchbohren dich. Du drehst dich um und gehst zurück in deine Klasse. Schließt die Tür und guckst ihn an. Er zeigt in die leere Ecke in der Klasse, Geh dahin sagt er schroff. Du gehst. Er bedeutet den anderen die Klasse zu verlassen. Stillschweigen verlässt die Klasse den Raum. Alle blicken dich an, schauen dann betreten zu Boden. Keiner kriegt den Mund auf. Von außen schließt jemand die Tür. Es ist immer noch ganz still. Du setzt dich hin, guckst aus dem Fenster. Fast unberührt von der Tatsache, dass eine Waffe auf dich gerichtet ist, blickst du in Gedanken versunken aus dem Fenster. Suchst nach etwas, doch du weißt nicht nach was. Du besinnst dich, blickst ihn an. Fragend, mit leeren Augen, ohne Ausdruck. Er hat Tränen auf den Wangen. Seine Hand zittert. Langsam setzt auch er sich hin.
Warum tust du das? Was hast du vor? Fragst du ihn vorsichtig.
Ich weiß es nicht. Ich sehe keinen Ausweg mehr. Kein vor, kein zurück, alles ist grau. Mein Leben ist für'n Arsch und Zukunft hab ich eh keine. Scheiße, halt die Fresse.
Du bist ruhig. Guckst wieder aus dem Fenster. Er steht auf und geht umher. Dein Handy klingelt erneut. Geh ran sagt der Junge. Du tust es. Es ist wieder die Polizei. Der Junge reißt dir das Handy aus der Hand und horcht hinein. Hallo? Hallo? Wer ist da?spricht jemand auf der anderen Seite. Wer ich bin ist egal. Was ich will ist egal. Hat doch alles keinen Sinn sagt der Junge und legt auf. Er gibt dir das Handy wieder. Du guckst aufs Display. 14.29 Uhr. Seit fast anderthalb Stunden sitzt du hier mit ihm. Darf ich meine Freundin anrufen? Fragst du ihn. Er nickt still. Du wählst die Nummer, zitterst. Wartest ungeduldig auf das Freizeichen. Es kommt. Es klingelt einmal, zweimal,
Hallo? Kommt aus dem Telefon.
Jessi? Fragst du verunsichert.
Ja, was ist denn?
Wo bist du? Wie geht´s dir?
Ich bin zu Hause. Mir geht´s gut. Wolltest du nicht längst hier sein?
Ja wollte ich. Aber ich komme heute nicht. Ich bin noch in der Schule. Mach dir keine Sorgen, auch wenn ich nicht weiß, ob wir nochmal die Möglichkeit haben miteinander zu reden.
Warum bist du noch in der Schule? Warum soll ich mir keine Sorgen machen? Was ist los?
Das erkläre ich dir später. Wenn möglich. Es ist nur nicht so ein normaler Tag, wie ich heute morgen dachte. Ich vermisse dich.
Ich vermisse dich auch. Sag mir bitte was los ist.
Stille. Was sagst du jetzt? Erzählst du ihr, was los ist oder verschweigst du es ihr?
Es ist nichts. Mach dir einen schönen Tag und denk nicht drüber nach. Ich liebe dich. Ciao.
Du legst auf. Läßt sie nicht zu Wort kommen. Du hast das erste Mal Ich liebe dich zu ihr gesagt. In deinem Kopf schwirren tausend Gedanken. Du bist verunsichert, voller Zweifel. Du starrst auf dein Handy, wieder in Gedanken versunken. Vergessen ist der Junge, der mit seiner Pistole auf deinen Kopf zielt und nervös den Finger am Abzug hin und her bewegt. Vergessen der Schreck, das allein sein. Vergessen alle Sorgen. In deinem Kopf nur sie. Sie ganz allein. Vergessen der Stress des Alltags. Wie weggeblasen die Gedanken an dich selbst. Nur sie. Ganz allein sie.

Der Junge schaut dich von hinten an. Unsicher und nervös spielt er am Abzug, bereit jeden Moment ab zu drücken. Er schielt zum Fenster. Sieht den Heli der Polizei, hört die Sirenen der Polizeiautos, sieht das blaue Licht ihrer Blaulichter, er horcht, draußen ist es fast still geworden. Auf dem Flur scheint es voll zu sein, und doch ist es ruhig. Er schaut auf seine Uhr. Es ist 20 nach 5. Seit fast 4 ½ Stunden bedroht er dich. Nach 4 ½ Stunden weißt du nicht, wie er heißt. Hast du keine Ahnung, warum er das tut. Du weißt nichts. Er tritt von hinten an dich heran. Sieht, wie du zitterst. Sieht, dass das Handy immer noch in deiner Hand liegt. Sieht deinen leeren, ausdruckslosen Blick. Sieht, wie dir die Tränen durchs Gesicht laufen. Doch er versteht nicht warum. Er kann nicht nachvollziehen, warum du seit dem Telefonat, seit zwei Stunden nichts gesagt hast. Er stupst dich mit der Pistole an. Du spürst den kalten Stahl auf deiner Haut. Hörst seinen Atem, kannst ihn riechen. Ganz dicht steht er hinter dir, doch du bewegst dich nicht. Wie eine Statue stehst du da, siehst, wie er sich die Pistole ansieht, wie er ins Zweifeln gerät. Du schreckst hoch. Der Junge erschreckt sich, dreht sich wild mit den Armen um sich schlagend um und zielt erneut auf dich. Bleib sitzen. Er schreit. Bleib da sitzen und beweg dich nicht. Tränen schießen aus seinen Augen. Er zittert am ganzen Körper. Ziellos irrt er umher. Rennt von einer Ecke in die nächste, immer im Kreis.
Warum sitzen wir hier? Tu endlich was! Entscheide dich was du willst! Ich zähle jetzt bis 100. Wenn du mir dann nicht sagst wie es weiter gehen soll, dann stehe ich auf und gehe. Hörst du? Dann gehe ich. Du redest auf ihn ein. Immer wieder wiederholst du diese Worte. Dann bist du still. Fängst an zu zählen......1......2......3.....4.....5.....6......
Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich weiß nicht wie es weiter gehen soll. Ich weiß nicht mal, warum ich hierher gekommen bin. Ich weiß weder, wer du bist, noch weißt du wer ich bin. Wenn du bis 100 gezählt hast und aufstehst, werde ich dich erschießen. Ich weiß nicht warum, aber ich habe keine Lust hier alleine zu sein. Hast du Hunger oder Durst? Ich schon. Kannst du die Polizei anrufen und etwas zu essen und zu trinken verlangen?
Du bist überrascht. Du bist Geisel und auf einmal bittet er dich, etwas für ihn zu tun....
Ja klar. Kein Problem. Was möchtest du haben?
Er lächelt dich verlegen an. Pizza bitte.
Du nimmst das Handy. Langsam wählst du die Nummer. 1.....1.....0. Du drückst auf den grünen Hörer, und kurz danach hörst du das Freizeichen. Eine Männerstimme meldet sich und fragt nach dem Grund deines Anrufes. Du verlangst dich mit der Einsatzleitung zu verbinden und sagst, dass du die Geisel bist. Keine 30 Sekunden später meldet sich ein nervöser Mann und fragt, wie es dir geht. Gut antwortest du. Können wir zwei Pizzen haben bitte? Eine Große Käsepizza und eine mit Salami. Die legen sie bitte in die Mitte auf den Flur und begeben sich alle, ohne Ausnahme, in das Stockwerk darunter. Wir werden alles inspizieren. Es lohnt sich nicht sich zu sträuben. Ich habe alles unter Kontrolle. Vertrauen sie mir und es wird nicht anstrengend werden.
Okay. Ich rufe sie zurück sobald die Sachen da sind.
Ach ja, 5 Flaschen Cola bitte noch. Sie melden sich dann.
Du legst auf. Horchst nach draußen, es wird ruhiger. Die Tür zum Treppenhaus quietscht. Was geht dort vor sich? Wer steht alles da draußen und wartet? Du schaust den Jungen an. Glücklich wie ein kleines Kind lächelt er dich an. Sein Gesichtsausdruck zeigt, wie dankbar er dir ist.
Warum redest du nicht mit der Polizei? Du bist der Geiselnehmer.
Ich will nicht. Ich habe Angst vor denen. ........... Wie heißt deine Freundin?
Jessica. Hast du auch eine Freundin?
Nein. Erzähl mir von ihr. Wie ist sie so?
Sie ist blond, normal groß, kommt aus Geismar. Und sie ist sehr lieb.
Wie lange kennst du sie schon?
Seit ein paar Wochen. Noch nicht so lange.
Achso..........Er zögert, guckt dich skeptisch an......... Willst du nochmal mit ihr reden? Sie macht sich bestimmt Sorgen.
Nach dem Essen. Mir ist schlecht und irgendwie komisch zu mute. Wie geht´s dir?
Gut, sehr gut. Ich stehe in einem fremden Gebäude, hinter fremden Türen, vor einer fremden Person mit einer Pistole und sehe keinen Sinn in dieser Aktion. Aber sonst geht´s mir gut.
Du schweigst, schaust wieder aus dem Fenster. Wie gerne wärest du bei ihr. Würdest in ihren Armen liegen, wie an einem ganz normalen Tag. Müsstest dir keine Sorgen machen, es würde nichts passieren. Es wäre ein ganz normaler Tag.
Dein Handy klingelt, reißt dich aus den Gedanken. Ohne zu überlegen nimmst du ab und sagst Hallo. Der Polizist ist wieder dran. Das Stockwerk ist geräumt, die Pizzen und die Cola stehen in der Mitte des Flures, alles wie geplant. Du bedankst dich und legst auf. Der Junge steht neben dir und zeigt auf die Tür. Steh auf. Du gehst vor. Er hält dir die Waffe an den Kopf und du stehst auf. Langsam gehst du auf die Tür zu. Vor Stunden hast du das letzt Mal diese Tür geöffnet. Tausende von Malen wirst du sie noch öffnen sagst du dir. 3 Jahre lang noch. Ihr geht auf den Flur. Inspiziert jeden Raum und jede Ecke. Dann nehmt ihr die Pizzen und geht in eine Klasse. Nicht wieder in die gleiche. Nur um deine Sachen zu holen, gehst du noch einmal in den Raum zurück. Jetzt sitzt ihr in D 34. Guckt hinunter auf die Godehardtstrasse, auf die Brücke, ihr seht die Schüler, Lehrer und Polizisten. Die Sporthalle. Es ist dämmerig und die Blaulichter erzeugen eine unheimliche Atmosphere. Draußen herrscht absolute Stille. Noch liegt die Pizza unangebrochen auf dem Tisch. Er isst schon. Unsicher hältst du die Colaflasche in der Hand. Trinkst und stellst sie zurück. Jessi schießt dir in den Kopf. Nur sie allein. Du nimmst ein Stück Pizza, es schmeckt gut. Du isst zwei, drei Stücken und guckst dich um. Es ist dunkel draußen. Du nimmst dein Handy aus der Tasche. 19.41 Uhr zeigt das Display. Jessi sagst du und guckst ihn an. Er nickt zustimmend. Du drückst die Taste um die Tastensperre aufzuheben und wählst die Nummer. Stehst auf, gehst umher. Das Freizeichen kommt. Es klingelt. ........ Schon sechs mal, keiner geht ran. Du hoffst, fragst dich, warum sie nicht dran geht. ......
Hallo? Benni? Wo bist du?
In der Schule.
Immer noch? Warum? Sag mir jetzt bitte endlich was los ist.
Heute ist einfach nur kein normaler Tag.
Hinter dir ein rascheln, ein klicken und ein Knall, dann nichts mehr.
Der Junge steht auf. Sieht dich zusammen sacken. Du röchelst und ringst nach Atem. Er öffnet das Fenster, schreit. Steigt auf das Fensterbrett und hält sich die Pistole an den Kopf. Auf dem Boden liegt das Handy. Benni, Benni schreit eine verzweifelte Frauenstimme. Der Junge guckt nach unten. 4 Stockwerke unter ihm steht die Polizei. Alle Scheinwerfer sind auf ihn gerichtet. Ein Polizist redet per Megafon auf ihn ein. Er hört nicht zu. Versinkt in Gedanken, gerät ins Taumeln. Er drückt ab. Die Kugel bohrt sich durch seinen Kopf. Er kippt vorn über und fällt hinunter. Sekunden später wird die Tür aufgerissen. Das letzte, was du siehst, sind zwei deiner Freunde, die auf dich zu stürzen.

Du wachst auf. Verschwommene Bilder schwirren vor deinen Augen. Eine leise Stimme fragt nach dir. Es ist Jessi. Sie sitzt neben dir an deinem Bett, hält deine Hand. Sie war die ganze Zeit da. Was war da los fragt sie dich. Es war kein normaler Tag antwortest du und versinkst erneut in tiefen Schlaf.
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