neues vergangenes abschreckendes hinterlassenes
So bin ich...

Selbstanalyse 4.11.02

Du meinst, dass ich süß bin, wenn ich sage, dass ich mir einen ganzen Abend lang überlegt habe, ob du sauer auf mich bist, oder nicht. Ich finde das nicht süß, da ich weiß, dass es mich fertig macht. Zwar weiß ich, dass es übertriebene Angst ist, aber ich kann sie nicht kontrollieren. Ich sitze abends zu Hause, schreibe dir eine Sms und habe Angst, dass dir etwas zugestoßen ist, wenn du mir nicht zurück schreibst. Was soll ich tun? Ich steigere mich in eine Angst nach der nächsten. Es geht mir schon lange so. Die Angst vorm allein sein ist es, die ich am wenigsten wahrnehme, die mir aber am meisten weh tut. Außerdem ist sie Auslöser für alle anderen Ängste. Seit der Scheidung meiner Eltern habe ich dieses Problem. Jede Freundin die ich danach hatte, hat wegen meiner Eifersucht Schluss gemacht, oder hatte zumindest ein großes Problem damit. Geesche und Theresa waren die ersten Mädchen, bei denen ich Schluss gemacht habe. Ich denke, dass liegt daran, dass ich nicht damit umgehen kann, wenn mich jemand gut kennt. Auch wenn Theresa vielleicht die Person ist, die mich am besten kennt, sie würde auf mein Problem mit der Angst niemals kommen. Selbst mir ist es erst jetzt klar, wo ich schon seit Jahren damit lebe. Wie ein Geistesblitz kam es und auf einmal ist alles klar. Angst vorm allein sein hat mir bei Geesche kein Problem gemacht, ich hatte ja Theresa. Und diesmal? Ich war in der Beziehung mit Theresa schon lange nicht mehr glücklich. Aber ich hatte Angst davor, allein zu sein. Ich hatte keine „Neue“ an die ich mich hätte klammern können, bis du kamst. Es wäre auch so aus einander gegangen, aber es hätte länger gedauert. Wenn ich mich jetzt frage, warum es kaputt gegangen ist, würde ich sagen, dass sie mich zu gut kannte und ich damit nicht umgehen konnte. Nachdem ich mit Geesche Schluss gemacht habe, ist mir aufgefallen, dass ich akzeptieren muss, dass nicht alles perfekt sein kann, diesmal fällt mir auf, dass ich meine Angst nicht unter Kontrolle habe. Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt, dass ich mit dir Schluss mache, damit mir wieder irgendwas auffällt, was an mir falsch ist. Viele meiner Freunde meinen mittlerweile, dass ich zu Psychologen gehen soll, aber die haben alle keine Ahnung. Ich weiß was ich ändern muss und ich kriege das hin. Ich brauche keine Hilfe. Ich habe bisher alles alleine geschafft. Ich konnte mich nie auf irgendwen verlassen, außer auf meine Freundin. Daher kommt die Angst, dich zu verlieren, die Angst davor, dass dir etwas zustößt, die Angst davor, dass du nicht mehr da bist und ich allein bin. Du kennst mich noch nicht. Du kennst bis jetzt nur die glückliche Seite an mir. Du hast mich noch nicht erlebt, wie ich bin, wenn ich richtig Stress habe, wenn ich nicht mehr weiter weiß, wenn ich am Ende bin. In Amerika hattest du einen Vorgeschmack. Du hast dazu nie wirklich was gesagt. Warum? Kennst du solche Anfälle nicht? Woher solltest du sie kennen? Es ist ja nicht jeder so wie ich. Warum rauche und trinke ich? Weil ich mir nach der Trennung meiner Eltern angewöhnt habe, meine Probleme zu verdrängen und dazu Hilfsmittel benutzt habe. Ich habe meinen Kopf stundenlang auf die Bettkante gehauen um keine Schmerzen zu fühlen. Immer wenn alles hoch kam, habe ich getrunken und geraucht. Mehr allerdings geraucht als getrunken. Ich habe mir das angewöhnt. Das ist der Grund, warum ich nach Amerika soviel geraucht habe. Das ist einfach meine Art, Schmerzen zu verdrängen. Ich weiß, dass es mir nicht wirklich hilft, aber es ist die Art, mit der ich umgehen kann. Alles andere ist zu spät. Ich bin daran gewöhnt und es fällt mir schwer mich aus meiner Gewohnheit zu lösen. Gewohnheit ist bei mir, dass ich nicht allein bin, also ist eine Veränderung immer damit verbunden, dass ich allein bin. Vielleicht ist das alles krank und du verstehst nicht, warum ich so bin, warum ich mich nicht gut ändern kann. Doch ich glaube nicht, dass es einfach wäre, etwas an mir zu verändern. Ich hoffe, dass du mich trotz alle dem noch magst und mich nicht abschreibst. Ich weiß nicht, wie du darauf reagierst. Wahrscheinlich habe ich jetzt erstmal Angst, dass du mich dann nicht mehr magst und du wirst es erstmal nicht lesen.

Alles das was du jetzt süß an mir findest, wird dich später nerven, bis es dich irgendwann einengen wird. Vielleicht glaubst du mir das jetzt nicht, aber es ist so. Ich habe dir von Ira erzählt. Das ich mit ihr zusammen war, ist lange her. Nach der Beziehung ist mir klar geworden, wie eifersüchtig ich bin. Ich wusste es dann, konnte es aber nicht kontrollieren. Jetzt kann ich das immer noch nicht. Das einzige was ich kann, ist mir sagen, dass es übertrieben ist. Doch wie gehst du damit um, wenn du weißt, dass ich mir jede Minute, die ich nicht bei dir bin Sorgen mache, dass dir etwas zu stößt, oder das du mich mal nicht mehr mögen könntest? Für mich ist es schwierig, weil ich irgendwann keine anderen Gedanken mehr habe und insgeheim einen Hass gegen mich und meine Gedanken entwickle und mir einbilde, diese Gedanken nur loswerden zu können, in dem ich mich von der Person trenne, die diese Gedanken auslöst. Im Falle Theresa habe ich das nur aus diesen Gründen getan. In diesem Moment löst sich in mir ein neuer Konflikt aus, nämlich wie ich mich von einer Person trennen soll, die ich eigentlich liebe. Wenn dieser Konflikt in mir längere Zeit besteht, werde ich leicht reizbar, nehme alles viel zu ernst und reagiere sehr leicht über. Das alles ist schwer verständlich, denn ich kann selber nicht genau sagen, was in mir vorgeht. Alles das, was ich schreibe, ist bloß ein Ansatz von dem, was wirklich in mir vorgeht. Wie soll ich mich noch eine Minute auf irgendwas konzentrieren, wenn in mir ein Sturm tobt? Wenn jeder Gedanke irgendwas mit dir zu tun hat? Seit Jahren komme ich immer wieder in diese Situation. Ich habe Angst, dass du es mit mir nicht aushältst, dass du nicht weißt, wie du damit umgehen sollst. Du sagst, dass dich nichts schocken kann, aber womit rechnest du, wenn du das sagst? Damit, dass ich irgendwelche Sachen mache? Ich habe keine Ahnung, womit du rechnest, deswegen hab ich so eine Angst davor, dass du mich wirklich kennen lernst. Du weißt, dass ich mich manchmal sehr „kindisch“ verhalte. Andere nennen es einfach nur verrückt. Nun ja, wie man das nennt ist mir ziemlich egal. Normal ist es nicht, aber ich will nicht normal sein. Normal ist so langweilig. Ich bin nun mal ein wenig durchgedreht und ich finde das eigentlich auch gut so. Nur manchmal nervt es mich ein wenig. All diese Ängste waren bei Theresa am stärksten. Ich konnte sie nicht ertragen und habe mir damit sehr weh getan. Welche Schmerzen hatte ich wohl nach Amerika zu verdrängen, wo doch mit dir alles okay war?


Ein Bild meiner Seele

Meine Seele ist ein großes Haus. Es hat viele Stockwerke, viele Zimmer und wird nach oben hin immer kleiner. Einen Keller hat es nicht, so viel ich weiß. Im Erdgeschoß gibt es nur zwei Räume. Einer von ihnen ist das riesige Empfangszimmer. Hierher darf jeder herein, die Tür nach draußen ist weit geöffnet. Viele Menschen tummeln sich hier, gehen ein und aus, gucken sich um, reden oder schweigen einfach. Auch ein Teil von mit steht hier. Für jeden ist er da, immer ansprechbar.
Von diesem Raum aus geht nur eine Tür in den nächsten Raum. Diese Tür jedoch ist mit vielen vielen Schichten dicker Bretter vernagelt. Niemand soll durch diese Tür hindurch kommen. Wenn du fragst, wohin diese Tür führt, werde ich agressiv, werfe dich eventuell sogar hinaus. Du mußt schon selber gucken. Neben der Tür ist eine kleine Luke. Du kannst einen Blick wagen, aber bisher ist es niemandem gelungen, länger hindurch zusehen. Niemand hat es je gewagt diese Tür zu durchbrechen.
Der Raum hinter der Tür ist dunkel und karg. Er sieht alt und zerbrechlich aus. Die Decke hängt herab, viele kleine und einige große Balken versuchen die Decke abzustützen, doch die Balken biegen und brechen, ständig muss ich neue holen, die alten inspizieren oder sie sichern. Die Balken sind übrigens Menschen. Ich habe sie hinein gebeten, dann habe ich sie hier hin gestellt, damit sie mein Haus sichern. Aber funktionieren tut das immer nur kurz. Dieser Raum ist so wüst, dass viele wieder gehen, auch wenn sie hinein gebeten werden. Nur wenige lassen sich auf diese "Arbeit" ein.
Wie man von diesem Raum in die höheren Stockwerke kommt, weiß ich nicht. Ich habe nie einen Weg gefunden, vielleicht nie gesucht. Im ersten Stock gibt es viele Zimmer. Einige von ihnen sind abgeschlossen, ich habe sie nie betreten. Andere haben offene Türen. Die Räume hängen voller Bilder, Wörter und Szenen, sie sind voller Freude, Glück und Heiterkeit. Es gibt auch Türen, die zu sind, aber geöffnet werden können, sie sind nicht verschlossen. Auch sie hängen voller Bilder, voller Zeichnungen und voller Wünsche. Aber es ist Trauer, Verzweiflung und Abweisung zu sehen. Sie zeigen Streit und Unmut. In diesen Zimmer bin ich oft. Setze mich vor ein Bild, schaue es lange an. Irgendwann stehe cih auf und gehe. Im vorbeigehen gucke ich durch die offenen Türen, sehe das Glück und die Freude, die schönen Momente in meinem Leben. Die Räume werden voller und voller, manchmal kommt sogar ein neues Zimmer hinzu. Sie haben schöne Formen und Farben, keines ist wie das andere. Doch interessieren mich die Türen die zu sind mehr. Manchmal erwische ich eine verschlossene Tür, renne dagegen und merke zu spät, dass sie verschlossen ist. Wenn die Tür aber nur zu war. dann öffne ich sie, schliele hinein. Viele von ihnen sind dunkel und leer. Nur an einer Wand hängt ein Bild. Ich brauche Ruhe, wenn ich mir ein Bild ansehe. Ich will nicht abgelenkt werden.
Das zweite Obergeschoß ist langweilig. Es besteht aus einem riesigen Saal, der einer Wüste gleicht, und einem zweiten Saal, einem Spiegelsaal. In der Wüste suche ich oft nach einem Platz, an dem es hell ist, aber nicht allzu warm. Doch die Sonne brennt, ich kann ihr nicht entfliehen. Es gibt kaum Wasser, deswegen meide ich den Saal. In dem Spiegelsaal gibt es auch nichts interessantes. Wohin ich schaue, ich sehe nur mich. Von allen Seiten, mit allen Fehlern und allen meinen Eigenschaften. Manchmal beobachte ich mich, dann fällt mir irgendwas neues an mir auf und ich gehe es in den Zimmern des ersten Stocks suchen. Meistens werde ich nicht fündig, aber dort gibt es immer etwas interessantes zu sehen.
Dann bin ich oben, unter dem Dach, dort gibt es drei Zimmer. Ganz rechts ist ein Raum in dem viele viele Kisten gestapelt sind. In diesen Kisten sind verschiedene Dinge. In den meisten sind Schlüssel, so viele, dass man die Kisten kaum halten kann. In anderen Kisten sind Wünsche, Wut, Angst oder andere Dinge, die ich nicht haben will. Die Kisten sind voll, sie könnten mich erdrücken. Der Raum ist ein Quadrat. In der Mitte stehe ich, um mich herum die Regale mit den Kisten. Die Regale sind alt, sie könnten kaputt gehen, ich stütze die Regale, halte die Kisten fest. Es sind zu viele. Wie lange reicht meine Kraft? Wie lange kann ich diese Kisten noch halten? Ich hab versucht in einige hinein zu gucken. Ich fand Schlüssel. In einer anderen Kiste fand ich meine Einsamkeit, sie war leer, doch sie war schwerer als alle anderen, sie war voll, doch mit nichts greifbarem gefüllt, sie ist voller Einsamkeit. In einer anderen Kiste waren meine Ängste, ich habe nicht hineingesehen. Dann noch die mit Wünschen, eine mit Träumen, eine mit Ideen, Ideale, es sind hunderte Kisten, vielleicht tausende.
Der Raum auf der gegenüberliegenden Seite ist der einzige, den ich abschließen kann. Ich gehe selten hierher. Mein Haus ist sehr leer, selten, eigentlich nie ist hier jemand zu Besuch, dieses Haus kennt niemand. Warum sollte ich mich also einschließen? Es kommt ja doch niemand. In diesem Raum steht ein Schrank und ein Bett. Hier schlafe ich manchmal, aber das Bett ist groß und leer, auch hier fühle ich mich einsam.
Dann ist da noch der Raum in der Mitte. Er liegt ein bißchen höher als die beiden anderen. Man muß eine kleine Treppe von vielleicht zehn Stufen hinauf gehen, bis man hinein kommt. Der Raum ist schwarz, man kann die Wände nicht sehen, doch man fühlt das er klein ist. Die Wände sind schwarz und doch seinen sie zu leuchten, es ist nicht dunkel in diesem Raum. In der Ecke rechts von der Tür gibt es einen kleinen Gang. Er ist ganz schmal und eng. Erst führt er nach unten, dann biegt er nach rechts ab, dann nach links, dann nochmal nach oben, ein Stück geht er gradeaus, dann wieder nach unten. Dann ist er einfach irgendwann zu Ende. Hier findet mich niemand, hier verstecke ich mich oft. Hier sitze ich tagelang, ohne zu essen, ohne zu trinken, ohne zu reden, zu hören oder zu fühlen. Niemand der je in meinem Haus war hat sich getraut hierher zu kommen. Nur ich kenne diesen Platz.
Aus dem Raum geht aber noch ein weiterer kleiner Gang hinaus. Er ist wesentlich kürzer, nicht so verwinkelt. An seinem Ende ist ein Fenster zum Himmel. Dies ist das einzige Fenster, das es in meinem Haus gibt. Hier sitze ich abends manchmal und träume. Von diesem Raum aus gibt es einen kleinen Gang, da passen Träume und Wünsche durch. Dieser Gang führt in den Raum rechts im obersten Stockwerk. Träume und Wünsche werden direkt in die passenden Kisten gebracht, ich hasse sie. Will sie nicht, kann sie nicht ausstehen.
Das ist also mein Haus. Viele der Zimmer kenne ich nicht, ich weiß nicht, was hinter den Türen ist. Fragt mich besser nicht. Ihr habt doch die Eingangshalle. Der Rest ist eh unsicher. Es herrscht Einsturzgefahr, niemand darf also dieses Haus betreten. Ich kann für keine Sicherheit garantieren, also bringt euch nicht selbst in Gefahr!!!


Bild, wie ich es sehe

Ich habe heute Nacht auf ganz viele Fragen Antworten gefunden. Ich komme von dem Vorraum in den anderen Raum, weil ich dir gestern nur beschrieben habe, wie es nach außen hin aussieht. Für mich ist die Tür garnicht vernagelt und der Raum bricht auch nicht fast zusammen. Für mich ist das ein großer heller Raum, der immer in bewegung ist und deshalb dauernd neue stützen braucht. Ich kann nämlich keine andere Tür finden und wenn ich sehe nicht mal die zugenagelte Tür, sondern eine weiße Holztür, sogar eine doppeltür.
Außerdem kann ich an mehreren Orten gleichzeitig sein. Denn ein Teil muss immer die Kisten halten, ein anderer Teil ist fast immer in der Eingangshalle, wieder ein anderer läuft im Haus herrum und noch einer baut an den Stützen herrum und im Garten ist auch noch einer. Wer weiß, wieviele es noch gibt.
Das könnte der Grund dafür sein, dass ich nie wirklich alles wegdrücken kann und nicht wie du einfach ganz gute Laune haben kann, auch für mich.
Die Sonne in der Wüste ist ganz komisch. Als ich heute Nacht da war hat sie sich die ganze Zeit verändert. Mal war sie ein kleiner Punkt und mal hat sie fast den ganzen schwarzen Himmel eingenommen. Aber sonst war der Himmel nicht schwarz.
In den Spiegelsaal wollte ich eigentlich auch gehen, aber der ist geschlossen. Ich weiß nicht warum. Vielleicht wird er umgebaut oder so. Ich hab mal nach nem Badezimmer oder ner Küche gesucht, aber gefunden hab ich keine.
Der Platz vor meinem Haus hat übrigens nicht direkt einen Parkplatz. Da kommt erst eine Straße mit Bushaltestelle, dann kommt ein kleiner Bahnhof und dahinter ist ne Wiese, auf der kann man parken. Aber der Weg von da bis in die Eingangshalle ist relativ lang. Und überall stehen Schilder die den Weg weisen und daran erinnern, wohin man geht. Wer hat diese Schilder aufgestellt?
Um mal auf meinen Garten zu kommen, der liegt nicht bei meinem Haus. Denn um mein Haus kann man nicht rumgehen und nach hinten gibt es keine Tür. Wenn da ein Garten wäre würde man nicht in ihn hinein kommen.
Ich hab mal in meinem Garten gesucht, ob ich mein Haus finde, oder eine Mauer/Zaun, an dem ich endlang gehen könnte. Die Ecke, wo der Teich war, ist garnicht echt. Der Stand nur ein kleines Stück Mauer, die den See an zwei Seiten begrenzt hat. Die war aber nur jeweils ein paar Meter lang. Ich hab also mein Haus nicht von außen gesehen.
Ich habe heute Nacht versucht in meinem Bett zu schlafen und habe die Tür abgeschlossen. Mitten in der Nacht hat es daran geklopft. Wer war wohl in meinem Haus? Ich bin liegen geblieben und erst ne Stunde später bin ihc durch mein Haus gegangen und hab nachgeguckt. Ich glaube, es ist noch alles da, aber ich weiß es nicht.
Gibt es eigentlich einen Schlüsseldienst oder sowas? Den könnte ich ja mal anrufen, dass er meine Türen aufschließt, dann muss ich nicht Schlüssel suchen gehen.
Soviel mal zu meinem Haus. Aber ich will gerne wissen, wie dein Schneckenhaus aussieht. Darf ich dich mal besuchen? Ich bin in meinem HAus immer so allein, kriegst du viel besuch?
Kann man bei dir klingeln? Wieviele Räume hat denn dein Haus? Ich will in die Küche gehen, die ist bestimmt ganz klein und gemütlich und man kann sich dahin setzen und essen, trinken oder einfach nur reden. Ich mag Küchen.
Hast du ein Gästezimmer in deinem Haus?
Warum hast du alles so vollgehängt und zugestellt? Wolltest du das selber so, oder hat dir das jemand alles darein gestellt? Wenn ich da was finde, was ich haben will, darf ich mir das mitnehmen? Darf ich dir ein Geschenk von mir mitbringen, oder ist dein Haus zu voll?
Kennst du jeden Winkel in deinem Haus? Weißt du was hinter all den Bildern und Schränken ist? Sind bei dir die Türen offen?


ICH

Warum laßt ihr mich nicht einfach in Ruhe?
Warum könnt ihr nicht akzeptieren, dass ich anders bin? Dass ich eure Regeln nicht akzeptiere?
Ich richte mich nicht nach euch! Ich verlange nicht von euch, euch nach mir zu richten. Wenn ihr mich hassen wollt, dann tut das! Ich bin euch nicht böse! Aber wenn ihr meint, mich zu mögen, mich als Freund seht, dann steht dazu, fallt mir nicht in den Rücken. Habt eure eigene Meinung, vertretet sie, aber werdet dabei nicht ungerecht. Bildet sie nach eurem eigenen Bild, nicht aus Gerüchten, Lügen und scheinheiligen Tatsachen. Eine Wahrheit gibt es nicht, ihr werdet sie nie finden. Beurteilt mich so, wie ich euch beurteile. Ihr kennt meine Probleme nicht, sollt sie nicht kennen. Ich akzeptiere euch doch auch so, wie ihr seid. Selbst wenn ihr nicht meinen Regeln entsprecht, selbst wenn das was ihr tut in meinen Augen falsch ist, selbst wenn es gegen mich gerichtet ist, akzeptiere ich das und verurteile euch nicht deswegen.
Was sollen also diese ganzen Spekulationen, was bringen euch die Gespräche? Warum flüchtet ihr in Hinterhältigkeit, verschließt euch vor der Realität und verbreitet Lügen? Den wenigsten von euch habe ich etwas getan. Denen von euch, die ich verletzt habe, nehme ich ihre Reaktion nicht übel, selbst wenn sie noch so überzogen und unangebracht ist. Niemals habe ich jemanden wirklich schlecht behandelt. Ich handle nach meinen Regeln, nach meinen Gefühlen und meinen Ansichten, ich gehe meinen Weg. Was ist daran schlimm? Ist es falsch nicht euren Weg zu gehen?Was bringt es euch, mich schlecht zu machen? Macht euch das glücklich? Warum gibt es Menschen, die meine Freunde sind, so lange ich mit einem von ihnen zusammen bin und dann wenden sie sich von mir ab? Sind das wahre Freunde? Seid ihr so schlecht? Warum können eure Freunde jetzt nicht mehr meine Freunde sein? Ich habe wenige Freunde, ich habe schon gelernt, ohne sie zu leben.
Meine Einsamkeit kenne ich, warum haltet ihr sie mir vor Augen?
Meine Ideale sind in euren Augen schlecht, meine Überzeugung falsch, meine Suche sinnlos. Meine Realität ist eine andere, eine die ihr nicht verstehen könnt. Eure Ideale, Überzeugungen sind in meinen Augen Unsinn, ich aber kann euch verstehen, ich nehme euch trotzdem ernst. Ihr könnt beides nicht. Was macht es euch so schwer, dass ich meinen eigenen Weg suche, meine eigene Realität habe, mich nicht anpasse? Ist eure Realität so wackelig, dass sie keine Abweichungen aushalten kann? Sind eure Ideale so durchsichtig, dass ihr fürchten müsst, sie könnten zerbrechen? Seid ihr euch eurer selbst so unsicher, dass ihr keine Kritik ertragen könnt?
Das es Ausnahmen gibt, weiß ich, schätze ich. Trotzdem habe ich Angst vor euch. Ich respektiere eure Macht. Ich lasse mich von euch nicht unterkriegen, ich bin stark genug euch auszuhalten. Wenn ich zusammenbreche, stehe ich wieder auf. Euer Kampf gegen mich ist so sinnlos, wie seine Gründe. Doch ihr kämpft weiter, fördert meine Angst und meinen Widerstand. Hinter euch stehen viele, ihr fühlt euch sicher, hinter mir steht fast keiner. Die hinter mir schüchtert ihr ein, mich jedoch nicht. Ich bin sicher. Ihr seid nur gemeinsam stark und besiegen könnt ihr mich trotzdem nicht.
Ich liebe diejenigen unter euch, die mich hassen, bin ihnen zu Dank verpflichtet. Ihr macht mich zu dem was ich bin. Ihr stärkt mich und zeigt mir eure Schwächen! Ihr habt keine Ahnung von mir. Ihr seid die, die so sind, wie ich sie haben will.
Ich verstehe die von euch, die mich nicht mögen. Ihr müsst euch gegen mich schützen, sonst könntet ihr nicht bestehen. Eure Meinungen, Ideale und Überzeugungen sind so schwach, ihr könntet mich nicht aushalten. Ihr seid dumm, ihr habt kein eigenes Urteil, aber ihr handelt menschlich, egoistisch und verständlich.
Euch, die ihr mir gleichgültig gegenüber steht, stimme ich am meisten zu. Ihr habt kein Bild von mir, aus welchen Gründen auch immer, oder ihr befasst euch nicht mit mir, zumindest verbreitet ihr kein schlechtes und kein gutes Bild von mir. Vielleicht versteht ihr auch einfach nur, dass ich mich oft wandle, dass ich nicht stehen bleibe und mich verändere. Auch wenn ihr mich vielleicht nicht akzeptiert, mich nicht verstehen könnt, ihr schweigt dazu, ergreift nicht Partei. Ihr stört euch nicht an meinem Kampf.
Die, die mich mögen, haben einen schweren Stand. Ihr seid hin und hergerissen zwischen all den Lügen, „Wahrheiten“ und den Gerüchten. Ihr versucht euer eigenes Bild zu behalten, zumindest für euch selbst. Ihr könnt vielleicht über die Unterschiede zwischen den anderen und mir hinwegsehen, oder ihr steht auf meiner Seite. Es ist egal, ihr haltet zu mir, dafür danke ich euch. Danke für all die ernst gemeinte Hilfe und die Musterlösungen die leider nie funktionierten. Danke für all die Kraft, die ihr an mich verschwendet habt. Auch wenn ich euch nicht immer verstehen kann und ihr es mit Sicherheit einfacher haben könntet.
Zuletzt bleiben noch die, die mich lieben. Ihr seid komisch. Vielleicht seid ihr selber anders als die meisten, vielleicht liebt ihr genau diesen Unterschied an mir. Euch verstehe ich garnicht. Trotzdem danke, dass es euch gibt.

Zum Schluss allen denen, die ich vergaß, danke für eure Abscheu, eure Trauer, eure Tränen und euer Lachen. Ihr alle seid der Grund dafür, dass ich noch lebe.
Und an euch alle, wenn ihr eure Gruppe nicht findet sei gesagt, ihr alle zusammen verpfuscht mein Leben. Ihr helft mir dabei alles kaputt zu machen, was ich aufbaute, ihr stärkt mich, wenn meine Zerstörungswut am größten ist. Danke!

Ihr fragt euch nach dem Grund meines Schreibens und warum ihr das lesen müsst? Ich sag euch warum, ihr seid diejenigen, die mich in meinem Geiste fordern, diejenigen, die mich stärken, mit allem was ihr tut! Egal ob ihr mich hasst, liebt, ihr seid Schuld.
Jetzt aber dazu, warum gerade ihr dieses lesen müsst. Ihr gehört zu denjenigen, die mich hassen, die mich lieben, die glauben mich zu kennen oder zu denen, die mich kennen. Warnen möchte ich euch, vor mir und euch selbst, vor der Kraft, die ihr mir gebt, die ihr dafür verliert. Fragt die, die mich erlebt haben, fragt nach wie es mit mir war. Niemand wir sagen, ich war schlecht, niemand wird sagen, ich war gemein. Alle werden entgeistert da stehen und sagen, er ist gegangen, ich hielt ihn nicht mehr aus. Warum ich so bin? Was geht euch das an! Macht weiter so! Ihr macht mich zu eurem Vorbild, ihr macht mich stark! Ihr werdet sehen, was ihr davon habt. Leiden muss ich auch, aber das ist es mir wert. Ich sehe euch gerne am Boden, sehe euch unten. Sehe euch da, wo ich bin. In mir haust kein böser Geist, mich umschwebt nicht der Teufel, ich bin so, wie ihr mich geformt habt, nach eurem Bilde bin ich entstanden. Jetzt haltet mich aus, versucht nicht wegzulaufen, es hat keinen Sinn.

Zu meinen Taten! Ich verletze Menschen, tue ihnen weh und es tut mir Leid. Ich erbaue Beziehungen, um sie zu zerstören, ich suche Menschen, um sie fallen zu lassen, nachdem ich sie gefunden habe. Ich suche nach Wegen, um sie zu umgehen, ich suche die Einfachheit, um vielfältig zu sein. Ich herrsche gerne, um nicht beherrscht zu werden. Und trotzdem stehe ich weit oben.
So, bzw. sehr ähnlich, ist euer Bild von mir. Bin ich wirklich so? Gibt es in mir Triebe, die so gegensätzlich sind? Ja! Die gibt es. Sie regen mich auf, durchwühlen mich, machen von Tag zu Tag alles anders, und doch, ohne sie wäre ich leer, ein nichts.
In diesen Tagen herrscht euer Bild wieder. Ihr seht wieder nur Gründe mich zu hassen, seht die schlechten Seiten an mir. Verstehen wollt ihr mich nicht, aber ihr sagt es. Helfen wollt ihr mir nicht, aber bietet es an. Viele von euch wissen nicht, was Kummer ist, kennen nicht das Leid, das man erfahren kann. Wissen auch nicht, wie es sein kann, wenn man einsam ist.
Ich kenne es, wünsche es euch, wünsche mir jemanden, der mich versteht und ohne Worte kennt. Ich suche euer Gegenteil, ihr seid falsch!
Wenn ihr das nächste Mal auf mich hinab schaut und euch empor hebt, mir vorwerft, dass ich verletzend und gemein bin, dann schaut einmal auf euch hinab und dankt mir dafür, dass ich gerne euer Arschloch bin, ich nehme gerne die Schuld auf mich.
Ihr seid wie die Schlange, die uns aus dem Paradies vertrieb, ihr seid wie das Wasser, das unsere Fußspuren im Sand verwischt, ihr seid all das schlechte, was ihr an mir seht! Ich danke euch für eure Offenheit, eure Zuversicht und eure Hoffnung!



Angefangener Brief an meinen Vater

Hi Papa,
ich schreibe dir, weil es im Moment aus meiner Sicht ein paar Dinge gibt, über die ich gerne mit dir reden würde. Es ist für mich ziemlich schwer, dass zu tun, wenn wir telefonieren oder uns sehen, einfach, weil ich eher nichts sage, bevor ich jemanden anderes verletzen könnte. Versteh das bitte nicht falsch, ich bin mir nicht sicher, ob das, was ich sagen möchte, verletzend ist oder nicht.
Mich haben deine Aussagen über meine Art in den letzten Tagen sehr nachdenklich gemacht und mir fiel dabei auf, dass eventuell einfach ein Problem der Kommunikation und der Information über allem steht und gar nicht so sehr ein Problem zwischen uns. Ich werde einfach mal ein paar deiner Aussagen, ich hoffe ich kriege sie noch sinngemäß zusammen, aus meiner Sicht erläutern.
Für mich am wichtigsten war deine Frage, warum ich finanziell so von dir abhängig bin. Aus meiner Sicht bin ich das nicht. Ich habe nur 65€ im Monat und komme damit bis auf die eine oder andere Ausnahme über die Runden. Zu den monatlichen Ausgaben gehören Handy, Telefon, Internet, Klamotten, Schulsachen und alles an Essen oder Trinken, was ich außerhalb brauche. Kannst du dir vorstellen, was das für ein Gefühl ist, wenn ich mir eine neue Hose kaufen will und dann gleich wieder überlegen muss, ob ich dafür ein Drittel meines Geldes ausgeben kann oder ob noch andere Ausgaben kommen, die wichtiger sind. Ich frage mich, ob du dir vorstellen kannst, auf was ich verzichten muss, damit das funktioniert und ob du nachvollziehen kannst, weshalb ich mir dann manchmal die Freiheit nehme, etwas zu tun, was ich mir eigentlich nicht leisten kann. Da wäre zum einen die Woche mit deinem Auto, als ihr im Urlaub wart. Es war für mich schön, mal eine Woche unabhängig zu sein und allerlei Dinge zu machen, wann es mir passt und nicht davon abhängig zu sein, wann gerade Busse fahren oder Mama und Eddy ihr Auto nicht brauchen. Auf der anderen Seite war das natürlich eine Spritfrage und das, was im Tank noch drin war, hat bei weitem nicht für das gereicht, was ich gemacht habe. Ich denke, der Tank wäre genauso leer gewesen, wenn ich nur das gemacht hätte, was nötig gewesen wäre. Ich weiß nicht, ob du dir vorstellen kannst, dass ich jeden Euro, den ich verfahren habe, dreimal überdenken musste, weil er mir im Prinzip für den Rest des Monats fehlt. Ich denke mal, dass 80€ für dich nicht so viel Geld sind, wie für mich. Ich hab mir damit schon für die nächsten zwei Monate alles an Extras vorweggenommen. Es gibt viele Beispiele wie dieses, viele Dinge, die ich gerne hätte oder die ich gerne machen würde, für die mir das Geld einfach fehlt. Ich hätte natürlich jedes Mal die Möglichkeit, dich zu fragen, ob du mir Geld leihen oder geben kannst, aber das will ich gar nicht. Ich möchte ja eben gerade nicht von dir abhängig sein, sondern mit dem zurechtkommen, was ich habe. Natürlich ist da noch die Möglichkeit, Geld hinzu zu verdienen, aber auf Grund meines Stundenplanes habe ich viel Freizeit morgens in der Schule und nur wenig am Nachmittag. Würdest du jemanden einstellen, der morgens von 8-9 Uhr arbeitet und dann abends von 17-19 Uhr? Mit so festen und gestückelten Zeiten und immer im Hinterkopf, dass da noch Musikprojekttage und Proben sind, die mich noch unflexibler machen, ist es nicht leicht, einen Job zu finden. Gerade da es in Göttingen so viele Studenten gibt, die ihre Zeit wesentlich freier einteilen können. Ich denke, ich vertrete wie du die Ansicht, wer arbeiten will, der findet Arbeit, nur man muss flexibel sein und dass kann ich momentan nicht ausreichend sein. Da ist mir mein Abi dann auch einfach wichtiger, als dass ich sage, ich lasse Chorproben ausfallen, gehe arbeiten und riskiere dafür schlechte Noten.
Damit bin ich im Prinzip schon bei deiner zweiten Aussage, nämlich der, dass ich anscheinend in der Arbeitswelt noch nicht angekommen bin. In gewisser Weise hast du Recht, denn ich arbeite ja noch nicht. Auf der anderen Seite weiß ich sehr genau, das alles was ich mache immer auch eine Geldfrage ist. Ich habe das sicherlich selbst mit zu entscheiden, was ich mit dem Geld anfange, was ich mache und auch zu einem gewissen Teil, wie viel Geld ich zur Verfügung habe, auf der anderen Seite bin ich aber nun Schüler und sehe das momentan noch als meinen „Beruf“ an. Daraus ergibt sich für mich der Grundproblem, dass der Hauptberuf Schüler vorgeht und der Nebenjob sich nach der Schule richten muss. In der Konsequenz verzichte ich auf viele Dinge, die für andere in meinem Alter sicherlich alltäglich sind, wie z.B. mal ein Kinobesuch oder Schwimmen gehen. Aber ich frage dich nicht jedes Mal nach Geld, weil ich es mir eben selbst so ausgesucht habe und versuche, damit umzugehen. Und Mama frage ich genauso wenig nach Geld, da ich von ihr mein Taschengeld kriege und mehr ist halt nicht drin.
Als letzte Aussage macht es mir sehr zu schaffen, dass du meintest, dass ich manchmal die eine oder andere Grenze überschreite, wenn auch nicht viel. Ich denke, diese Grenzüberschreitungen sind immer eine Frage der Kommunikation und des Selbstverständnisses. Wenn ich beispielsweise mit einem Lehrer Streit habe, weil ich statt zu seinem Unterricht zu gehen ein wichtiges SV-Projekt leite, dann ist dieser Streit meist schnell behoben, wenn der Lehrer sieht, was ich geleistet habe und alles nachhole, was ich in seinem Unterricht verpasst habe. Oft sind diese Versäumnisse auch nicht meine Schuld, wenn zum Beispiel die Schulleitung dringend etwas besprechen will, muss ich mich an deren Terminen orientieren. Viele Lehrer sehen es als „Grenzübertretung“, wenn ich mir für diese Dinge Zeit nehme und versuche meine Mitschüler vernünftig zu vertreten. Übrigens ernte ich auch von Seiten der Schüler dafür eine Menge Undank, weil ich ja angeblich immer Kaffee trinken bin, anstatt zum Unterricht zu gehen. Ich habe in der SV gelernt, dass man nicht auf jede Meinung Wert legen darf und ich es nicht jedem Recht machen kann. Und mit Sicherheit kommt hinzu, dass ich da mit meinen Abschätzungen nicht immer richtig liege und dann auch mal eine Meinung untergeht, die besser nicht hätte untergehen sollen. Ich will dir damit jetzt sagen, dass deine Meinung mit Sicherheit keine ist, die ich absichtlich „aussortiere“, auch wenn sie vielleicht manchmal zu kurz kommt. Für Fehler, die ich dabei mache, übernehme ich die Verantwortung, ich bin mir auch für eine Entschuldigung nicht zu schade, aber ich hatte trotzdem einige Unstimmigkeiten mit deiner Meinung dazu. Ich finde zum Beispiel nicht, dass ich mich dafür entschuldigen muss, dass im Tank am letzten Sonntag nicht mehr viel drin war. Schließlich habe ich soviel ich hatte in den Tank geschmissen und bin so spritsparend wie möglich gefahren. Der Tank wäre sicherlich voller gewesen, wenn ich Geld gehabt hätte, dass ich vertanken hätte können. Ich habe manchmal das Gefühl, dass du das so auffasst, als würde ich dir dein Auto absichtlich mit fast leerem Tank wieder hinstellen, so ist es auf jeden Fall nicht.

Als letztes möchte ich gerne noch etwas dazu sagen, was ich am Telefon neulich nur angedeutet habe, aber dann doch abgebrochen habe, weil es da einfach nicht gepasst hat und im Nachhinein geht es denke ich mal dabei eher weniger um Entschuldigungen als um Aufmerksamkeit, Information und Zugeständnisse. In unserer Familie herrscht allgemeines Stillschweigen zu eurer Trennung damals und eigentlich wird das Ganze auch nur selten mal angeschnitten, aber es gibt dennoch ein paar Dinge, die da im Nachhinein vielleicht mal gesagt werden sollten. Als erstes denke ich dabei an eine Sache, die Birgit uns damals zwei oder drei Tage nachdem du uns gesagt hast, dass du ausziehst, indirekt von dir übermittelt hat. Nämlich, dass du das Gefühl hattest, es wäre uns egal, ob du ausziehst oder nicht, weil wir nichts dazu gesagt haben. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, ob da was dran sein könnte. Es ist mehr für mich eine Frage: Hast du das wirklich gedacht? Mich würde interessieren, wenn es so gewesen ist, was du erwartet hattest. Ich frage mich auch oft, was ich in der Situation erwartet habe. Ich kann es heute nicht mehr nachvollziehen, aber es gab da eine Menge Dinge, die mich enttäuscht haben. Wir waren alt genug, um alles, was zwischen euch vorgefallen ist, zu verstehen. Mitgekriegt haben wir sicherlich nicht alles, ist vielleicht auch besser so, aber mit dem, was wir mitbekommen haben, waren wir relativ allein. Ich will weder dir noch Birgit einen Vorwurf daraus machen, sondern einfach meine Sicht der Dinge schildern. Alleine das ihr euch trennen werdet, wussten wir schon lange bevor es überhaupt ausgesprochen wurde. Hinzu kommt, dass du dich uns bis auf ab und zu am Wochenende vorenthalten hast, wir hatten keine Adresse und deine alte Wohnung habe ich zum ersten Mal gesehen, als wir dir beim Umzug in die nächste Wohnung geholfen haben. Auch das ich damals angefangen habe zu Rauchen, war mit Sicherheit ein Fehler, aber ich habe für mich eine Möglichkeit gesucht, den Problemen des Alltags zu entfliehen und habe keine andere gefunden. Heute bin ich weit genug, um mir solche Fehler einzugestehen und diese Angewohnheit zu überwinden. Ich kann dir keinen Vorwurf daraus machen, dass ich mich damals allein gelassen gefühlt habe, weil ich es nie gesagt habe, aber oft, wenn wir darüber diskutiert haben, hätte ich dir gerne einen Vorwurf daraus gemacht. Das sind eigentlich Kleinigkeiten, aber eben genau solche Kleinigkeiten, die mich verletzt haben und die bis heute unangesprochen im Raum standen, denen ich bisher lieber aus dem Weg gegangen bin. Ich könnte dir mehrere Beispiele aufzählen, die mich enttäuscht haben, für die ich nie eine Entschuldigung erwartet habe. Daher vielleicht auch meine Meinung, dass man sich nicht für alles entschuldigen muss.
Als letztes dann vielleicht noch dazu, dass du dir wünscht, dass wir uns ein wenig mehr nach dir richten. Ich habe dir das am Telefon erklärt, dass ich dir gerne einen Gefallen tue und das ich darin auch kein Problem sehe. Sicherlich hast du Recht, wenn ich nicht gleich zugestimmt habe, als du mich gefragt hast, ob ich für euch den Hund aus Heidelberg hole. Ich habe natürlich darüber nachgedacht, ob ich das mit dem vereinbaren kann, was ich am Wochenende machen wollte und mit dem, was Birgit an Arbeit abgeben wollte, weil sie den Tag nach Frankreich gefahren sind. Birgit war auch nicht glücklich darüber, dass ich dann gesagt habe, dass ich dir den Gefallen tue und sie „im Stich“ lasse. Ich bin anderer Meinung als du in diesem Punkt, einfach, weil du mich gefragt hast, ob ich dir einen Gefallen tue und ich daraufhin nur gesagt habe, wie es mir am Besten passen würde. Ich habe weder Forderungen noch Bedingungen gestellt, sondern nur meine Wünsche geäußert und deine Antwort darauf akzeptiert. Ich bin mittlerweile alt genug, um solche wünsche äußern zu können und ich habe viel um die Ohren, sodass ich das auch machen muss, damit ich alles auf die Reihe kriege. Ich weiß von früher wie es ist, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden und jetzt versuche ich diese Tatsachen mit zu beeinflussen.

Ich hoffe, du kannst nachvollziehen, warum ich dir diesen Brief schreibe und das ich dir mein Anliegen klarmachen konnte. Ich bin offen für Kritik, sowie ich das auch von meinem jeweiligen Gegenüber erwarte und ich finde es gut, dass du mich auf diese Dinge aufmerksam gemacht hast. Ich habe dadurch die Möglichkeit, mich für die Dinge zu entschuldigen, die mir selbst nicht auffallen und dir auch meine Meinung dazu zu sagen. Ich hoffe, dass du verstehst, was ich damit meine, dass unser Problem vielleicht mehr in der Kommunikation und der Information liegt, weil viele Dinge bisher unausgesprochen geblieben sind und du über meine finanzielle Situation und meinen Alltag nicht umfassend informiert bist und einige Dinge nicht wissen kannst und konntest, was andersrum genauso der Fall ist.




Copyrights liegen übrigens bei allen Sachen, die ich geschrieben habe, bei mir! Könnt gerne Sachen kopieren, aber vorher Bescheid sagen, Antwort abwarten und sagen, wofür es verwendet wird!!!
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